Heimat- und Familienforschung

Ahnenforschung im Kreis Ortelsburg   Autor: Marc Plessa nach einem Artikel von Olaf Göbeler

Wenn jemand Ahnenforschung betreiben möchte, muss er sich im ersten Schritt möglichst viele Informationen von noch lebenden Verwandten beschaffen. In vielen Familien wurde bereits Ahnenforschung betrieben oder es gibt noch alte Unterlagen oder Familienstammbücher auf den Speicher, die bisher keiner haben wollte. Mit diesen ersten gesammelten Informationen kann man dann tiefer in die Forschung einsteigen. Ein umfangreicher Artikel von Olaf Göbeler wurde hierzu im Ortelsburger Heimatboten 2001, S. 139-147 veröffentlicht, der die Grundlage für die folgende Seite bildet.

Doch wie soll man denn nun forschen? Hierzu sind zuerst folgende Fragen zu klären:

1. Welcher Konfession gehörte der Vorfahre an?
2. In welchem Ort wohnte er?
3. Ist der Ort irgendwann umbenannt worden? Die Antwort bei Orten im ehemaligen Kreis Ortelsburg finden Sie hier!
4. Zu welcher Kirche gehörte der Heimatort? Eine Antwort für das Jahr 1912 finden Sie hier!
5. Zu welchem Verwaltungs-/Amtsbezirk gehörte der Ort?


Seelenlisten der Kreisgemeinschaft Ortelsburg

Zwei wichtige Aufgaben der Kreisgemeinschaft Ortelsburg sind die Erfassung aller zum Zeitpunkt der Flucht 1945 im Heimatkreis lebenden oder Heimatrecht besitzenden Landsleute in der Heimatkartei und die Auskunftserteilung bei Anfragen von Behörden, Landsleuten oder deren Nachkommen mittels des Archivs oder der Heimatkartei.

Die Personenerfassung begann in den 50er Jahren mit mündlichen Angaben der Überlebenden der Flucht und Vertreibung und wurde bis heute fortgeführt. Obwohl noch viele Lücken vorhanden sind, bietet dieser Datenbestand viele Informationen, zu denen amtliche oder kirchliche Urkunden zerstört oder verschollen sind.

Aus dieser Heimatkartei wurden "Seelenlisten" für alle Orte des Kreises Ortelsburg erstellt, die inzwischen als Excel-Tabellen bei der Kreisgemeinschaft ständig ergänzt und aktualisiert werden. Hierzu ist auch Ihre Mithilfe gefragt!

Ansprechpartner für diese Aufgabe ist derzeit Irmgard Denda:
Anschrift: Wiethagen 42, 44227 Dortmund   Tel. 0231 77 06 65  
eMail: i.denda@kreisgemeinschaft-ortelsburg.de


Standesamtsunterlagen und Kirchenbücher

Da im Laufe der Jahrhunderte viele Kirchen neu gegründet wurden, und erst ab 1874 die Standesämter eingerichtet wurden, muss man für den betroffenen Zeitraum herausfinden, welche Stellen für den gesuchten Heimatort zuständig waren. Es gibt einige Bücher, die hier weiterhelfen, zum Beispiel das Werk von Johann Friedrich Goldbeck "Vollständige Topographie des Königreich Preußen" aus dem Jahr 1785 sowie das Werk von Samuel Gottlieb Wald, "Topographische Übersicht des Verwaltungsbezirks der königlich preußischen Regierung zu Königsberg in Preußen" aus dem Jahre 1820. Beide Bücher sind vom "Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen" als Sonderschrift Nr. 7 und Nr. 43 nachgedruckt worden. Die nachgedruckten Bücher sollten auch in jeder größeren Bibliothek vorhanden sein. Sie können somit über jede Stadtbücherei per Fernleihe beschafft werden.
Eine gute Adresse ist beispielsweise die auf die Ostgebiete spezialisierte Martin Opitz Bibliothek in Herne.

Wer Unterlagen vor 1945 in Familienbesitz hat, besitzt wahrscheinlich auch Informationen, die ansonsten im Krieg vernichtet wurden. Die heute noch erhaltenen Standesamtsunterlagen für den Kreis Ortelsburg und deren Standorte sind im Internet aufgelistet oder im Ortelsburger Heimatboten 2002, S. 166-168 zu finden.

Für die noch benutzbaren Kirchenbücher aus unserem Heimatkreis gibt es an dieser Stelle eine vergleichbare Aufstellung.

Von einigen der aufgelisteten Kirchenbüchern gibt es Mikroverfilmungen, die vor 1945 erstellt wurden und dem Interessierten durch die Mormonen in den über das ganze Bundesgebiet verteilten Forschungsstellen gegen eine Leihgebühr zugänglich gemacht werden.

Ein Großteil der Ortelsburger Kirchenbücher wurde inzwischen aber auch durch die GeAGNO (Genealogische Arbeitsgemeinschaft Neidenburg und Ortelsburg) ausgewertet und als sogenannte Historische Einwohnerverzeichnisse (HEV) veröffentlicht. Aber die Kirchenbücher und Standesamtsunterlagen sind glücklicherweise nicht die einzigen Quellen, die Licht in das Leben unserer Vorfahren bringen.


Schauen wir uns kurz die Aktenbestände einzelner Archive an!

Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStAPK) in Berlin

Bis 1944 war das Staatsarchiv Königsberg das wohl wichtigste Archiv in Ostpreußen. Die wertvollen Akten wurden zu Kriegsende nach Goslar und Merseburg ausgelagert. Hauptsächlich jüngere Bestände sind nach 1945 der polnischen Verwaltung übergeben worden. Die wichtigsten der historisch bedeutsamen Akten blieben jedoch in deutschem Besitz. Nach der Wiedervereinigung wurden die Bestände im GStAPK in Berlin untergebracht und bilden heute die XX. Hauptabteilung (XX. HA). Die Bestände wurden von Olaf Göbeler im Ortelsburger Heimatboten 2001, S. 139-147 ausführlich beschrieben und decken den Zeitraum der Ortgründungen bis ins 3. Reich ab, wobei das Archiv für Familienforscher brauchbare Informationen hauptsächlich im Zeitraum 1540 bis 1840 vorliegen hat.

Für den Zeitraum von 1850 bis 1945 sollte man sich ins ehemalige Ostpreußen begeben, nämlich nach Allenstein.

Das Archiwum Panstwowe w Olsztynie (Staatsarchiv Allenstein)

Das Staatsarchiv Allenstein besitzt umfangreiche Bestände an Grundakten und Grundbücher aus dem Kreis Ortelsburg, in denen sich die Besitzverhältnisse manchmal bis um 1800 zurück klären lassen. Diese Grundakten beinhalten leider nur selten konkrete Lebensdaten, doch sind über Erbvorgänge zumindest die näheren Verwandtschaftsbeziehungen herauszufinden.

Weiterhin sind im Staatsarchiv Allenstein von zwei Pfarrämtern größere Aktenbestände erhalten geblieben, von Kobulten und Passenheim. Ein Teil der Passenheimer Kirchenakten liegt noch vor Ort. Von Friedrichshof gibt es noch Kirchenbücher, doch sind vor allem die Ortelsburger Standesamtsunterlagen im Staatsarchiv Allenstein für den Familienforscher wichtig.

Interessant sind auch die Bestände der Regierung in Allenstein, da sich hierunter für fast alle Orte des Kreises Ortelsburg Schulakten und weitere wichtige Unterlagen aus dem 19. und 20. Jahrhundert befinden. Die Qualität der Schulakten ist aber sehr unterschiedlich, je nach dem, wie gründlich sie von den Lehrern geführt worden sind. Es lassen sich aber manchmal Schülerlisten mit Angabe des Alters der Kinder und Namen der Väter finden.


Die Kreisblätter des Kreises Ortelsburg

Das Kreisblatt ist eigentlich ein Amtsblatt gewesen. In ihm wurden die amtlichen Mitteilungen über Gesetze, Anordnungen und andere Vorgänge mitgeteilt. Es lassen sich aber auch allgemeine Informationen über einzelne Personen finden. So gibt es Listen über die Einberufung zum Militär, über die Erlaubnis zur Jagd, über Wahlen zum Schulzenamt und die Impflisten. Ganz besonders diese sind von Interesse, weil hier der Name des Kindes und des Vaters genannt wird. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Impfling zu diesem Zeitpunkt etwa 9 Monate alt gewesen ist.

Heinz Rayzik hat die Kreisblätter der Jahrgänge 1843-1922 nach personenkundlichen Gesichtspunkten ausgewertet und durch die GeAGNO veröffentlicht. Diese Arbeit kann in der Heimatstube der Kreisgemeinschaft Ortelsburg in Herne und in der Martin Opitz Bibliothek in Herne eingesehen werden. Einige Jahrgänge der Ortelsburger Kreisblätter liegen inzwischen auch als Kopie vom Original in der Ortelsburger Heimatstube und sind besonders für die Heimatkunde von Bedeutung.


Forschungshilfe

Bei speziellen Fragen zur Forschung im Kreis Ortelsburg können Sie sich an die HMV/GeAGNO wenden, die auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen kann.

Als erster Ansprechpartner steht Ihnen hierbei Marc Plessa zur Verfügung:
Anschrift: Hochstr. 1, 56357 Hainau   Tel.: 06772-9699799  
eMail: m.plessa@kreisgemeinschaft-ortelsburg.de


Adressenverzeichnis:

Archiwum Panstwowe w Olsztynie, Staatsarchiv Allenstein, ul. Partysantow 18 (in Bahnhofsnähe), Pl - 10 - 521 Olsztyn

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Archivstraße 12-14, 14195 Berlin

Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, Abteilung Deutsche Zentralstelle für Genealogie, Schongauerstraße 1, 04329 Leipzig

Evangelisches Zentralarchiv / Kirchliches Archivzentrum, Bethaniendamm 29, 10997 Berlin, Tel. 030 - 2250450

Martin Opitz Bibliothek, Berliner Platz 5, 44623 Herne

Bischöfliches Zentralarchiv, St. Petersweg 11-13, 93047 Regensburg

Standesamt I, Rückertstraße 9, 10119 Berlin


Mormonen (Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage)

Hauptstelle in Deutschland ist Frankfurt.
Hier, wie auch wo anders, kann man telefonisch die nächstgelegene Forschungsstelle erfragen.
Berlin: Klingelhöfer Straße 24, 10785 Berlin, Tel. 030-2621089
Dortmund: Carl von Ossietzky Straße 5, 44225 Dortmund, Tel. 0231-718256
Dresden: Tiergartenstraße 40, 01219 Dresden, Tel. 0351-4715331
Frankfurt: Eckenheimer Landstraße 262-264, 60320 Frankfurt, Tel. 069-546005
Hamburg: Wartenau 20, 22089 Hamburg, 040-2504573


Martin Jend betreut im Rahmen der GeAGNO (Genealogische Arbeitsgemeinschaft Neidenburg / Ortelsburg) eine "Historische Einwohner-Datenbank" der Kreise Ortelsburg und Neidenburg, aus der er Auskunft erteilt.

Die GeAGNO wertet seit vielen Jahren Quellen aus deutschen und polnischen Archiven aus. Durch die Zusammenarbeit zahlreicher Familienforscher konnten im Laufe der Jahre nahezu sämtliche noch erhaltene Kirchenbuchteile zum Kreis Ortelsburg und zahlreiche weitere Quellen aus dem Staatsarchiv Allenstein, die in Deutschland nicht verfügbar sind, für die Familienforschung bearbeitet werden. Alle Ergebnisse der GeAGNO sind in zentralen "Historischen Einwohner - Datenbanken" zusammengeführt, die allein für den Teil Kreis Ortelsburg mehr als 1 Million Datensätze enthalten. Die Historische Einwohner-Datenbank der GeAGNO kann insbesondere für den Familienforscher, der an einem "toten Punkt" angelangt ist, für seine weiteren Forschungen genutzt werden.

Anfragen können gerichtet werden an den Datenbankverwalter der GeAGNO:
Martin Jend - Tel.:  02236 3749473 - eMail: m.jend@t-online.de

Michael Bulitta (Bonn) betreibt im Rahmen der GeAGNO (Genealogische Arbeitsgemeinschaft Neidenburg und Ortelsburg) eine Homepage. Diese Homepage ist eine wahre Fundgrube für den Ortelsburger Familienforscher. Sie enthält viele geschichtliche Daten über den Kreis  Ortelsburg.
Leider wird die Homepage schon seit langer Zeit nicht mehr aktualisiert.

Marc Plessa hat im Rahmen der Historischen Masurischen Vereinigung, eine interessante Homepage für den Familienforscher eingerichtet, der im südlichen Ostpreußen nach seinen Vorfahren sucht. Er ist Herausgeber des Mitteilungsblattes "DIE MASURISCHEN BIENE"

Heide Allmendinger: DNA in der Familienforschung? Eine faszinierende Möglichkeit der Vorfahrenforschung. Folgen sie dem angegebenen Link, um Näheres zu erfahren.
Projekt für Ostpreussen: http://www.familytreedna.com/public/Ostpreussen_East_Prussia