



Am 13. September 2026 war es wieder soweit: Als um 9 Uhr die Türen des Kulturzentrums in Herne geöffnet wurden, warteten bereits die ersten Besucher auf den Einlass.
Nach und nach füllten sich der Saal. Ein fröhliches Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten, aber auch viele neue Gesichter prägten das Bild. An den Tischen, die mit den Namen der drei Städte und der Landbezirke beschildert waren, entwickelte sich schnell lebhafter Gesprächsstoff – über die alte Heimat, Reisen nach Masuren und persönliche Erlebnisse mit Menschen, die man teilweise lange nicht gesehen hatte.
Ein Büchertisch mit ostpreußischem Lesestoff, Bildbänden und Ortschroniken aus dem Ortelsburger Gebiet sowie ein Stand zur Familienforschung boten weitere Anlaufpunkte zum „Plachandern“ – zum ausgiebigen Erzählen, Erinnern und Austauschen.
Der Posaunenchor der Auferstehungskirche Marl unter der Leitung von Alexander Ribbat sorgte für eine stimmungsvolle musikalische Begleitung, bis gegen 11.30 Uhr das Glockengeläut der Ortelsburger Kirche zur Feierstunde einlud.
Der Kreisvorsitzende Marc Plessa konnte mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen. Zu den Ehrengästen und Festrednern gehörte Heiko Hendriks, Beauftragter des Landes Nordrhein-Westfalen für die Belange der deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler.
Aus der Patenstadt Herne waren Bürgermeisterin Gabriele Przybyl (SPD) und Bürgermeisterin Bettina Szelag (CDU) vertreten. Ebenfalls unter den Ehrengästen befand sich der Kreis- und Fraktionsvorsitzende Christoph Bußmann (CDU). Den Bund der Vertriebenen NRW vertrat Dr. Bärbel Beutner, die Landsmannschaft Ostpreußen NRW war durch ihren stellvertretenden Vorsitzenden Helmut Erlebach vertreten. Auch Jürgen Hoffmann, Vorsitzender des Freundeskreises Herten–Szczytno, sowie ehemalige Vorstandsmitglieder der Kreisgemeinschaft Ortelsburg konnten begrüßt werden.
In ihrem Grußwort hob Bürgermeisterin Przybyl die langjährige Verbundenheit zwischen Herne und der Kreisgemeinschaft Ortelsburg hervor. Sie würdigte zugleich die vielfältigen Aufgaben der Kreisgemeinschaft: die Bewahrung der ostpreußischen Geschichte und Kultur, die Arbeit der Heimatstube in Herne, die Unterstützung sozialer Projekte im heutigen Gebiet um Ortelsburg (Szczytno) sowie die Pflege der deutsch-polnischen Kontakte und der Völkerverständigung.
Ein besonders würdevoller Moment war die Totenehrung. In diesem Jahr wurde insbesondere des im Juli verstorbenen Ehrenvorsitzenden der Kreisgemeinschaft Ortelsburg, Oberst a. D. Edelfried Baginski, gedacht. Mit viel Diplomatie, Beharrlichkeit und persönlichem Engagement hatte er die Errichtung eines Gedenkkreuzes in Ortelsburg im Jahr 2010 maßgeblich vorangetrieben und damit einen zentralen Erinnerungsort für die verstorbenen Ortelsburger geschaffen.
In seiner Festrede richtete Heiko Hendriks den Blick auf die heutige Erinnerungskultur in Deutschland. Er zeigte auf, dass die Themen „Deutsche Ostgebiete“ sowie „Flucht und Vertreibung“ angesichts aktueller Ereignisse zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung geraten. Auch in der Arbeit von Einrichtungen wie dem Haus der Geschichte in Bonn müsse dieser Teil deutscher Geschichte weiterhin seinen angemessenen Platz behalten.
Als Beauftragter des Landes Nordrhein-Westfalen für die Belange der deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler setzt sich Hendriks dafür ein, dass die Geschichte von Flucht und Vertreibung auch künftig angemessen im Schulunterricht vermittelt wird. Dabei komme es insbesondere darauf an, moderne Medien zu nutzen, um Geschichte sichtbar und für jüngere Generationen zugänglich zu machen.
Das Land Nordrhein-Westfalen hat bereits 2019 ein Projekt zur Digitalisierung der ostdeutschen Heimatstuben und ihrer Exponate initiiert. Die digitalen Heimatstuben erfreuen sich seitdem großer Resonanz und werden intensiv genutzt. An die Kreisgemeinschaft Ortelsburg richtete Hendriks den Appell, weiterhin offen und zukunftsgerichtet zu arbeiten.
Auch die Deutsche Minderheit in Szczytno war mit einem Gruß vertreten. Der Vorsitzende des Kulturvereins „Heimat“ in Szczytno hatte Grüße an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Hauptkreistreffens übermittelt, die vom Kreisvorsitzenden verlesen wurden.
Ehrungen für langjährige Mitarbeit sowie anerkennende Worte für das Engagement im Rahmen der gemeinsamen deutsch-polnischen Kulturpflege – insbesondere für die Freilegung historischer Friedhöfe und die Schaffung von Erinnerungsorten – rundeten die würdige Feierstunde ab.
Natürlich durfte auch das Ostpreußenlied nicht fehlen. Kraftvoll wurde es von allen Anwesenden gemeinsam gesungen. Mit der Nationalhymne endete die offizielle Feierstunde.
Anschließend blieb ausreichend Zeit für Begegnungen und Gespräche. Bei Essen, Kaffee und Kuchen wurde weiter erzählt, gelacht und erinnert. Königsberger Klopse und Mohnkuchen durften bei einem Ostpreußentreffen natürlich nicht fehlen.
Viele Besucherinnen und Besucher waren sich einig: Auch im kommenden Jahr möchten sie wieder dabei sein. Denn das Hauptkreistreffen der Kreisgemeinschaft Ortelsburg ist weit mehr als eine Veranstaltung – es ist ein Ort der Begegnung, der Erinnerung und der Verbundenheit mit der alten Heimat.